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Verzettelt. Erschöpft. Fremdgesteuert.

  • 25. März
  • 4 Min. Lesezeit

Drei grundlegende Stellschrauben, die Du wirklich beeinflussen kannst

 

Du scrollst durch Mails, hast fünf Tabs offen, ein Kind ruft aus dem Nebenzimmer, Dein Meeting beginnt in zwei Minuten, das nächste ist schon überfällig und Du fragst Dich: Was mache ich hier eigentlich? Aber Du machst einfach weiter. Funktionierst. Spielst mit. Lächelst ins Zoom-Fenster, tippst freundlich zurück, sagst: «Alles gut, danke der Nachfrage.»

Weil es eben so läuft. Weil Du «keine Zeit hast», um zu reflektieren, was Du da eigentlich tust. Weil es leichter ist, die Maske aufzulassen, als innezuhalten.


Doch unter der Oberfläche tickt etwas. Ein Unwohlsein, das sich nicht so leicht benennen lässt. Du bist nicht krank. Du bist nicht kaputt. Aber Du bist nicht mehr ganz bei Dir.

Das Problem ist kein Charakterfehler. Es sind drei zentrale Stellschrauben, die nicht mehr optimal eingestellt sind: Aufmerksamkeit, Zeit und Energie. Und das Gute daran: Du kannst sie nachjustieren.

 


Du bist überall – nur nicht bei Dir


Du hörst jemandem zu und nach drei Worten weisst Du schon, was Du antworten willst. Der Rest rauscht an dir vorbei. Du scrollst durch Instagram und vergisst, warum Du Dein Handy überhaupt in die Hand genommen hast. Du liest diesen Artikel und hast nebenher drei andere Tabs offen. Du checkst Dein Handy 90-mal am Tag und wunderst Dich, warum Du nicht in den Flow kommst? Findest Du Dich in diesen Szenen wieder? Dann ist es Zeit, genauer hinzusehen und bewusst gegenzusteuern.


Bereits 1973 zeigte Daniel Kahneman, dass unsere bewusste Verarbeitungskapazität stark limitiert ist. Neuere Studien belegen, dass selbst die blosse Sichtbarkeit des eigenen Smartphones unsere kognitive Leistung messbar reduziert (Ward, Duke, Gneezy & Bos, 2017). Aufmerksamkeit ist der Einstiegspunkt für alles. Sie bestimmt, was du wahrnimmst, was Bedeutung bekommt und was sich in deinem Leben verankert.



Du bist beschäftigt – aber nicht präsent


Du hetzt zur Arbeit, weil alles super dringend scheint und verlierst dabei aus den Augen, was wirklich zählt. Du sagst Ja zu einem Lunch, auf den du keine Lust hast und Nein zu 30 Minuten Me-Time. Du planst Deine Woche minutiös durch und bist am Freitag trotzdem erschöpft und leer. Du klagst über Zeitmangel, weisst aber nicht, wohin Deine letzte Stunde verschwunden ist? Kommt Dir das bekannt vor? Dann lohnt es sich, an dieser Stellschraube zu drehen.


Unsere individuelle Zeitperspektive beeinflusst massgeblich, wie wir mit Zeit umgehen (Zimbardo & Boyd, 2008). Und oft liegt das Problem nicht im Zeitmangel selbst, sondern in fehlender Selbstabgrenzung. Wie Julie Morgenstern (2004) zeigt, sind viele Zeitprobleme in Wahrheit Entscheidungs- oder Prioritätsprobleme. Zeit ist kein neutrales Gut. Sie ist zutiefst emotional. Du kannst sie verschwenden, verlieren, verschenken oder vergessen. Und oft entsteht das Gefühl von Zeitmangel nicht aus «zu wenig» Zeit, sondern aus dem falschen Umgang mit ihr.

 


Du funktionierst – aber Du bist nicht wach


Du machst einen Spaziergang, diskutierst dabei aber im Kopf noch einen alten Streit. Du triffst Dich mit jemandem und fühlst Dich danach leerer als vorher. Du bist acht Stunden im Job aber die eigentliche Erschöpfung kommt vom ständigen emotionalen Durchhalten. Du bist rund um die Uhr erreichbar und wunderst Dich, warum dein Nervensystem nie zur Ruhe kommt? Erkennst Du Dich in diesen Situationen? Dann ist es vielleicht Zeit, diesen Bereich neu auszurichten.


Christina Maslach und Michael Leiter (2021) identifizierten in ihrer Burnout-Forschung chronische Überforderung, emotionale Erschöpfung und soziale Konflikte als zentrale Energie-Räuber. Auf der anderen Seite spricht Hartmut Rosa (2016) in seiner Resonanztheorie davon, dass Energie vor allem dort entsteht, wo wir in wirkliche Beziehung mit der Welt treten und dass genau diese Resonanz in unserer beschleunigten Gesellschaft oft verloren geht. Energie ist mehr als Fitness oder ausreichend Akku, um irgendwie durch den Tag zu kommen. Sie ist das, was Dich innerlich in Bewegung bringt. Sie entscheidet darüber, ob Du nur durchziehst oder Dich lebendig fühlst.

 


Wer nicht selbst steuert, wird gesteuert


Diese drei Stellschrauben – Aufmerksamkeit, Zeit, Energie – sind kein Lifestyle-Konzept. Sie sind die Grundbedingungen für ein selbstgesteuertes Leben. Wenn Du sie nicht aktiv steuerst, wirst Du gesteuert. Von Systemen, von Erwartungen, von Deinem Kalender.

Die gute Nachricht: Du brauchst keine radikale Umkehr. Sondern vielmehr bewusste und ehrliche Entscheidungen. Nicht zu gross, sondern besser klein und immer wieder neu.


 

Nicht mehr. Anders.


Du kannst andere nicht ändern. Nicht die Welt, nicht den Chef, nicht das System. Aber Du kannst ändern, wie Du damit umgehst. Genau hier setzen die drei beschriebenen Stellschrauben an. In unserer psychologischen Arbeit bei Team Architektur begleiten wir Menschen dabei, diese Hebel zurückzugewinnen. Nicht mit Theoriekonzepten, sondern mit machbaren und wirksamen Schritten. Alltagstauglich. Nachhaltig. Auf Augenhöhe.


Die Welt bleibt komplex. Aber du musst nicht darin untergehen. Du kannst anfangen, Deine Aufmerksamkeit bewusster zu lenken. Du kannst Deine Zeit nicht mehr nur verplanen, sondern gestalten. Du kannst Energie nicht nur sparen, sondern bewusst einsetzen und erzeugen.


Du bist nicht hilflos. Du bist entscheidungsfähig. Und Du kannst einen ersten Schritt machen.




Quellen


Kahneman, D. (1973). Attention and effort. Prentice-Hall.



Maslach, C., & Leiter, M. P. (2021). Understanding burnout: New models. Occupational Medicine, 71(6–7), 249–251.



Morgenstern, J. (2004). Time management from the inside out: The foolproof system for taking control of your schedule—and your life (2nd ed.). Henry Holt and Company.



Rosa, H. (2016). Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp.



Ward, A. F., Duke, K., Gneezy, A., & Bos, M. W. (2017). Brain drain: The mere presence of one’s own smartphone reduces available cognitive capacity. Journal of the Association for Consumer Research, 2(2), 140–154.



Zimbardo, P. G., & Boyd, J. N. (2008). The time paradox: The new psychology of time that will change your life. Free Press.

 
 
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